Sonntag, 5. Mai 2013
Meine Einstellung zur Gothicszene – oder: „Bist du so ein Gruftisatan?“
Das Thema Gothicszene taucht immer wieder in meinem Leben auf. Das liegt ganz einfach daran, dass ich zum einen die Ästhetik jener Szene zu einem großen Teil schön finde, zum anderen blass und schwarz gekleidet in der Weltgeschichte rumspaziere. Nein, das liegt nicht an irgendwelchen Dauertraurigkeitszuständen, sondern vielmehr daran, dass ich Schwarz (Und auch Grautöne) sehr mag. Mich beruhigt diese Farbe und ich assoziiere damit gewisse Dinge, aber das ist nicht Thema dieses Eintrags.
Nun vorab zu der im Titel genannten Frage „Bist du so ein Gruftisatan?“ - diese Frage wurde mir in der Tat schon einmal so gestellt. Nein, ich bin kein Mitglied jener Szene und nein, ich bin kein Satanist – ein Teufel vielleicht schon eher, aber das sind alle Menschen irgendwo.

Dabei war es nicht immer so, dass ich es abgestritten hätte, ein Goth zu sein. Es gab eine kurze Phase in meinem Leben, in der ich gesagt hätte: „Ja, ich bin ein Goth.“
Das hat sich allerdings geändert. Ich mag nachwievor die Ästhetik, die Musik, die Kunst dieser Szene. Aber ich bin kein Mitglied dieser.

Das liegt ganz einfach am Szenenrassismus. Es gibt Leute, die brüllen lautstark, jemand sei kein Gothic, weil er „keine Klamotten von [Hier Marke einfügen, z.B. Aderlass]“ trägt. Auf der anderen Seite die, die anderen absprechen, der Szene angehören, weil sie eben diese Marke trügen, also nur ein „Modegoth“ seien. Die, die meinen, dass man bestimmte Vorraussetzungen erfüllen muss – nur, wer diese und jene Musik hört, ist einer, jeder, der auch noch andere hört, ist dann schon wieder keiner.
Am lustigsten sind aber diejenigen, die der Ansicht sind, dass gewisse Verhaltensweisen „goth“ sind und andere „total ungoth“. Grinsen? Ungruftig. Urlaub am Meer? No go. Immer schön im dunkeln bleiben und todernste Gesichter ziehen.
Und dann schreit man nach Toleranz und Individualität. Die Bigotterie wächst leider in der Szene immer mehr.

Natürlich will ich nicht alle, die sich als Goth bezeichnen, so abstempeln. Denn es gibt genug, die nicht so sind, aber eben auch die „schwarzen“ Schafe (Müssten das bei der Szene nicht eher die „weißen“ sein?), die sich so verhalten. Und genau mit diesen will ich nichts zu tun haben. Mir persönlich wurde das Korsett einer Szene zu eng, also bin ich einfach ich, ohne irgendwem anzugehören. Mitglied der Szene „EnigMadness“ sozusagen.
Man kann es ohnehin nicht allen Recht machen, mit dem, wie man ist. Irgendwer hat immer etwas zu meckern.
Wen kümmert es, welcher Marke die Bekleidung angehört? Warum sich unterdrücken, nur um vom Verhalten ein Goth zu sein? Was ist so schlimm daran, wenn man Humor hat und darum lacht? Warum muss man Dinge sofort ablehnen, weil sie zu „ungruftig“ seien?

Die Frage, die sich mir jedoch vorallem stellt, ist die, warum Menschen andere immer über eine Szene definieren wollen. Muss man unbedingt einem Kollektiv angehören? Einem Kollektiv, in dem bitte alle möglichst gleich sind? Ist es so anstrengend und schwer, einen Menschen einfach mal als ein Individuum anzusehen?

Ich vermute, dass das für viele Leute bequemer ist. Man müsste ja mal denken. Sich anstrengen. Es wird einem nicht zugeworfen. Hat man jedoch jemanden, den man einer großen Gruppe unterordnen kann, über die ja alles bekannt ist, da alle Mitglieder so langweilig gleich sind, braucht man nichts mehr dafür zu tun, einen Menschen beurteilen zu können, man muss ihn nicht mehr kennen lernen. Zumal die Mitglieder eines Kollektivs oftmals auch unbedingt zu diesem gehören wollen – vielleicht auch, um nicht über sich nachdenken zu müssen, sondern nur darüber, wie man den Erwartungen anderer gerecht werden kann.

Das ist nur eine These, denn ich kann derartiges nicht wirklich nachvollziehen, da mir etwas an den Individuen gelegen ist. Für mich ist das eine „Anstrengung“, die ich gerne auf mich nehme, aus reinem Interesse an dem Menschen selbst und seiner Persönlichkeit.

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